Maschine oder Push: Die Frage stellen sich viele. Allgemein antworten kann man darauf nicht – es kommt darauf an, was man hat, macht und vor hat. Maschine und Push machen vieles ähnlich, und doch sind sie grundverschieden, in Sachen Konzept, Workflow und DAW-Integration.

Damit dir die Entscheidung leichter fällt, hier Infos zu einigen wichtigen Punkten – und Unterschieden.

DAW

Während Ableton Push für die vollwertige (und grandiose) DAW-Software Ableton Live konzipiert und tief integriert ist (aber nicht zu tief – so eine mächtige Software lässt sich mit einem Controller eben nicht komplett bedienen), ist NI Maschine eine Symbiose aus Soft- und Hardware – und keine vollwertige DAW. Maschine hat eher Groovebox-Charakter, auch gut, aber das sollte man wissen. Maschine lässt sich jedoch als Plugin in DAWs einbinden, dann allerdings auch mit üblichen Nachteilen. Dafür ist die Maschine-Maschine-„Integration“ natürlich atemberaubend, vor allem bei der Maschine Studio mit ihren Farbdisplays.

Pads

Die Maschine ist mit 4 x 4 großen, Push mit 8 x 8 kleineren Pads ausgestattet. Die Vor- und Nachteile liegen auf (bzw. unter) der Hand: Während die Maschine besonders gut für Finger Drumming geeignet ist, hat Push Platz für mehr – und zwar noch viel mehr (siehe nachfolgende Punkte). Push versagt allerdings auch beim Finger Drumming nicht: Je nachdem, wie man spielt, geht es sogar sehr gut. Geschmackssache allerdings.

Auch gefühlt ist das Pad-Konzept ganz anders. Die Maschine ist mit herrlich weichen, nachgebenden „Jelly-Pads“ ausgestattet, Push dagegen mit harten, nicht nachgebenden „Radiergummi-Pads“. Die Geschmäcker sind verschieden. Ich mag beide. Mit beiden lässt sich gut spielen, auch die Empfindlichkeit ist ähnlich.

Step Sequencer

Ein ganz wichtiges Thema, mit einem ganz klaren Sieger. Baulich bedingt. Der Step Sequenzer der Maschine ist nur eingeschränkt zu gebrauchen, kein Wunder bei nur 16 Pads. Hier wird es schnell kompliziert. Bei Push mit seinen 64 Pads hat man allerdings alles auf dem Schirm, bzw. auf den Pads: Die obersten 4 x 8 stellen einen großzügigen Step Sequencer dar, auf den linken unteren 4 x 4 Pads liegen die Sounds, mit den rechten unteren 4 x 4 Pads kann man durch lange Sequenzen browsen. Perfekter geht es nicht. Es gibt darüber hinaus sogar einen Step Sequencer für Melodien und Akkorde!

Keyboard

Auch ein ganz wichtiges Thema, auch mit einem ganz klaren Sieger. Auch baulich bedingt. Wer mit Maschine ernsthaft eine (mehr oder weniger komplexe) Melodie einspielen will, muss ein Keybord oder ein Launchpad anschließen. Es ist eine Qual mit nur 16 Pads. Bei Push sieht es mit 64 Pads ganz anders aus.

Push bietet noch ein ganz besonderes Bonbon: Den In-Key-Mode, bei dem nicht passende Tasten verschwinden. Perfekt für Menschen, die kein Klavier spielen können, perfekt auch für kreative Höchstleistungen.

Pattern- / Soundbearbeitung

Dieser Punkt geht klar an die Maschine. Pattern bearbeiten kann man mit Push (visuell) nur begrenzt, Sounds schneiden überhaupt nicht, dafür ist dann der Bildschirm mit Ableton Live da. Die beiden Farb-Displays der Maschine Studio ermöglichen dagegen beides. Aber: Es ist schon bequemer mit der Maus am Bildschirm, als über den Controller selbst. Dennoch muss man sagen, dass der Computer-Bildschirm bei der Maschine ganz aus bleiben könnte. Wären da nicht die sehr umfangreichen Software-Instrumente.

Browsing

Bei Push ist das Browsen mit dem Old-School-Display plus Potis / Pads eine etwas leidige Geschichte. Bei der Maschine Studio ist es dafür paradiesisch, mit klickbarem Jogwheel, Farbdisplays und Vorhör-Funktion (die bei Push hoffentlich auch noch kommt). Super!

Workflow

Hier kommt es darauf an, welchen Background man hat. Hast du schon mit MPCs gearbeitet? Du wirst die Maschine sofort verstehen und lieben. Für alle anderen gilt: Für die Maschine ist nicht wenig Einarbeitung nötig. Und die Vorgehensweise ist oft zu kompliziert – so viele Tasten drücken, um etwas einzuspielen?

Push ist dagegen dermaßen intuitiv, durchgängig und unkompliziert, dass man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann: Musik, nicht Tasten. Aber: Nicht jeder mag den Ableton-Workflow, was wahrscheinlich an mangelnder Push-Erfahrung liegt. Das ganze Prinzip ist dank Push auch für Ableton-Anfänger innerhalb von zehn Minuten zu verstehen. Ein Tutorial-Video reicht. Man staunt im weiteren Verlauf immer wieder über die „Einfachheit“ dieser umfangreichen Software mit Push.

Instrumente und Sounds

Auch hier kommt es darauf an, welchen Background man hat. Für Allround-Musiker, die durchaus auch klassische Instrumente im Repertoire haben wollen: Ableton Live & Push. Für Elektro-Freaks: Maschine. Hier ist auch im Grund-Paket viel mehr dabei. Du willst Dubstep produzieren? Dann kommst du um Maschine kaum herum, der legendäre Synthesizer Massive ist gleich mit dabei (Komplete Selection).

Aber! Man kann auch Komplete (Instrumente, Sounds und Effekte) ohne die Maschine kaufen und als Plugins in Ableton Live einbinden, und zwar ganz schön bequem. Mit einer VST Bridge auch in Push. Daher stellt sich insgesamt weniger die Frage, mit welcher Software man arbeiten möchte, eher, mit welchem Controller. Allerdings ist die Integration der NI-Komplete-Produkte in die Maschine schon grandios gelöst. Wenn man die Maschine dann mangels vollwertiger DAW allerdings wieder als Plugin in eine andere DAW einbinden muss…

Fazit

Maschine und Push sind großartige Geräte, jedes auf seine Art atemberaubend. Ich liebe beide. Besonders die Maschine Studio ist beeindruckend, auch die Möglichkeiten für elektronische Musik, allerdings fühle ich mich mit dem Push-Workflow und den schönen bunten Pads wohler – und mische Maschine-Tracks sowieso mit Ableton Live ab. Und, was bemerkenswert ist: Ich fühle mich sogar mit der Maschine Studio trotz Displays oft blind – weil ich mit nur 16 Pads und keiner Pad-Matrix, auf der so viel untergebracht ist – arbeiten muss.

Letztendlich handelt es sich um Produkte mit einem anderen Konzept. Vereinfacht gesagt ist die Maschine eher ein Gerät für Sampling, Push ist dagegen eher ein Musikinstrument. Ich würde mir eine Mischung aus beidem wünschen – 64 Pads, Jogwheel und Farbdisplays… vielleicht kommt das bei dem ein oder anderen Hersteller mit dem nächsten Modell. 😉

3 Kommentare
  1. Knorke sagte:

    Keines von beiden bietet einen echten Mehrwert. Vor allem der extrem hohe Preis ist ungerechtfertigt. Ich habe z.B. ein Roland A800-pro Keyboard. Das erfülle alle Zwecke für Ableton hervorragend. Drums kann ich auch über das Keyboard einspielen, alternativ hat es sogar ein paar Pad-Controller, für die, die das eher mögen.
    Die NI-Maschine hätte ich mir so auch nie gekauft, damals gab es nur ein sehr günstiges Angebot in Verbindung mit dem Crossgrade zu Komplete Ultimate. Interessiert haben mich hier die Instrumente von Komplete Ultimate, die Maschine weniger. Man kann auch nicht wirklich etwas damit machen. Ich bin nunmal Vollblutmusiker und spiele ohnehin lieber richtige Instrumente mit Saiten oder Tasten und Percussion.

    Die Maschine ist eher etwas für Nichtmusiker, um wackelnd mit nickendem Kopf davorzustehen und vorgefertigte Samples abzuspielen.

    Ich formuliere das einmal ganz deutlich: In drei bis vier Jahren kann man Maschine und Push wegwerfen, weil sie bis dahin durch eine Nachfolgeversion entwertet werden und ohne Computer sind die Dinger ohnehin nur Staubfänger. Für dasselbe Geld bekomme ich dagegen schon eine richtig brauchbare E-Gitarre, an der ich in 20 Jahren noch Spaß habe und wenn mal ein Poti kaputtgeht kann ich das reparieren. Wenn es dann schon etwas für den Computer sein muss, würde ich das Geld lieber in ein gutes Masterkeyboard investieren, das dank Midi zu jeder Software kompatibel ist. Und Keyboard lernen macht auch richtig viel Spaß und bringt einen weiter, nur so schnöde auf Pads rumklopfen ist nicht so der Bringer.

    Wer’s dennoch nicht lassen kann, dem würde ich raten bis nach Weihnachten zu warten. Auf Auktionsplattformen oder Kleinanzeigenseiten verkaufen viele die Dinger, die nach einem viertel oder halben Jahr das Interesse daran verlierfen und dann wird der Preis wenigstens halbwegs vertretbar.

    Antworten
    • David Damjanovic sagte:

      Hallo Knorke,

      vielen Dank für deine Ausführungen.

      Als User von Maschine Studio, der damit insbesondere die Maschine-Software mit Komplete Ultimate, aber auch Ableton sowie Hardware-Synthesizer steuert, muss ich sagen, dass ich sehr wohl einen Mehrwert sehe, und keine wirklich überzogenen Preise. Es handelt sich um ein gutes Werkzeug (insbesondere in Verbindung mit Komplete). Mit einem Roland A800 und irgendeinem Pad-Controller hätte ich das Musikmachen wahrscheinlich schon genervt aufgegeben. 😉
      Eher würde sich die Frage stellen, ob ein Dave Smith Prophet 6 die 3.000€ wirklich wert ist (IMO auch, aber das ist eine andere Sache).

      Maschine kann viel zu viel für kopfnickende Nichtmusiker. Denen würde ich eher einen Volca Sample oder einen Circuit empfehlen. Hat auch gleich Batterien, einen Lautsprecher und benötigt keinen PC.

      Es gibt inzwischen Maschine 3 und Push 2. Sowohl Maschine 1 (von 2009), als auch Push 1 werden von der aktuellen Software unterstützt, und es ist kein Ende abzusehen. Sicher kommt das irgendwann, aber nach 10 Jahren kann man auch mal 500€ für einen technisch aktuellen Controller investieren… mit besseren Pads, Farbdisplay, Workflow-Verbesserungen etc.

      Hauptsache Spaß am Musizieren, wie auch immer!
      David

      Antworten
  2. soulcheck sagte:

    hallo an die beiden vorredner.. also ich sehe den mehrwert in beiden geräten bei den neupreisen auf keinen fall. beides sind geräte deren prinzip 30 jahre alt ist. es ist NIX innovatives. meine MPC2000 hatte bessere pads und war unabhängig von rechner etc.
    ich mache music seid ich 11 bin, hab auch audio engineering studiert, hab schon für kleinere und größere bands und projekte gearbeitet. in live settings habe ich eine weile die APC40 benutzt, im studio ist selbst das überflüssig. ja, zu zeiten hatte ich mal ein 30k studio, aber bin ohne push oder maschine gut ausgekommen. man braucht die einfach nicht. selbst jetzt, wo man die push 1 für wenig mehr als 100€ bei ebay bekommen kann und maschine ebenso, frage ich mich ob ich das wirklich. brauche. ich habe mein studio soweit runtergeschraubt das ich alles mit einem axiom 49, ableton 9 und ein paar wenigen externen plugins mache. aussschlaggebend sind hier eher meine soundcard und meine adam P11, die fast nichts übertrifft…

    mfg

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.